Beispieltext "Handwerke"
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Fachliche Tiefe: normal
Wortanzahl: ca. 2000 Wörter
Historische Handwerksberufe
Das Handwerk war schon immer ein gutes Stück Kultur und Spiegelbild der Menschen in ihrer Zeit. Handwerkliche Berufe hatten schon im frühen Mittelalter ihren festen Platz im damaligen Bürgertum und verhalfen den Städten zu Wohlstand und Ehre. Hierbei spielten auch die Zünfte eine zentrale Rolle. Das Leben fand hauptsächlich statt in Gemeinschaften mit handwerklichen Bruderschaften und Zusammenschlüssen in der Bürgerschaft. Gearbeitet wurde nach dem Grundsatz, dass jedermann sein Auskommen hatte. Das galt aber nur für den Meister, der Lehrling musste erst einmal seine Lehr- und Gesellenjahre absolvieren, um dann in der vorgeschriebenen Wanderzeit sein Können unter Beweis zu stellen. Durch den zunehmenden Reichtum und Luxusanspruch der Bürger schon im Mittelalter taten sich große Handwerkerpersönlichkeiten hervor, wie zum Beispiel Tilmann Riemenschneider, Hans Sachs und Veit Stoß. Durch die Einführung der Gewerbefreiheit im 19. Jahrhundert verschwanden allmählich die Zünfte mit ihren oft starren und nicht mehr zeitgemäßen Gesetzen.
Der Büchsenmacher
Ein Franziskanermönch soll das Pulver erfunden haben, und bereits 1340 wurde die erste Pulverfabrik in Augsburg gegründet. Die ersten Feuerwaffen waren Donnerbüchsen, woraus Stein- oder Kettenkugeln verschossen wurden. Das Pulver wurde entzündet mit brennender Lunte oder glühender Kohle. Der Beruf des Büchsenmachers war zunächst kein eigenständiges Handwerk, da diese Tätigkeit von Schlossern und Schmieden verrichtet wurde. Auch gab es den sogenannten Büchsenschäfter, der zur Gilde der Tischler gehörte. Erst als mit steigendem Luxus und Ansprüchen seitens der Fürstenhöfe die Nachfrage nach kunstvollen Feuerwaffen immer größer wurde, wurde auch das Handwerk des Büchsenmachers immer wichtiger und die Büchsen wurden effektiver. Sie erheilten Visier, Korn und Ladestockrinne. Die Waffenherstellung erreichte in der Mitte des 16. Jahrhunderts seinen Höhepunkt, und so mancher Büchsenmacher wurde zum Hofbüchsenmacher an einem Fürstenhof, wo er ausschließlich für seinen Herrn arbeitete. Ein Deutscher namens Dreyse erfand das Hinterladerzündelnadelgewehr, das in der damaligen Preußischen Armee große Bedeutung erlangte. Immer neue Konstruktionen wurden von den Büchsenmachern geschaffen wie zum Beispiel die verschiedenen Arten von Magazin- und Repetiergewehren. Heutzutage haben Maschinenwaffen die einstigen Handfeuerwaffen verdrängt.
Der Drechsler
Das Drechsler-Handwerk gehört zu den ältesten Handwerksberufen überhaupt. Schon im frühen Mittelalter entstanden die ersten Zünfte, die sich rasch ausbreiteten. Als Rohstoffe wurden Holz, Horn, Meerschaum, Bernstein und Elfenbein verwandt. Die ersten mechanischen Geräte waren der Fidelbogen und der Fideldrehstuhl. Die Drechseltechnik bestand darin, dass sich Holz oder andere Materialien um ihre eigene Achse gedreht haben. Die Drehbank war das Kernstück des Drechslers, der so seine Kreisformen schuf und viele Möglichkeiten zur Gestaltung seiner Kunstwerke hatte. Die wichtigsten Werkzeuge waren die Drehröhre und Drehmeißel. Auch Bohrwerkzeuge und Dreheisen wurden benötigt. Schon früh wurde die Wasserkraft als Antriebstechnik genutzt, besonders in der Eisendreherei. Die sogenannte Wipp-Drehbank war die gebräuchlichste und am längsten benutzte Technik, obwohl schon Leonardo da Vinci schon lange zuvor das Prinzip der Fußdrehbank erfand. Viele Möbel und Verzierungen an solchen wurden mit Drechselarbeiten verschönert und fanden vor allem auch bei Königen und Kaisern ihre Liebhaber. Im 19. Jahrhundert begann die Industriealisierung dieses Handwerks. So kam es, dass gerade in ländlichen eigenständige Techniken entwickelt wurden und auch die heimischen Hölzer wurden verwandt. Besonders das holzreiche Erzgebirge, aber auch Thüringen und Sachsen waren bedeutende Holzzentren. Dort wurde auch am längsten die handwerkliche Drechseltradition bewahrt. Die Drechsler fertigten nun auch viele einfache Gebrauchsgegenstände für den täglichen Gebrauch. Doch nach und nach verlor dieses so künstlerische Handwerk immer mehr an Bedeutung durch die fabrikmäßige Produktion von Möbeln und anderen Nutzgegenständen.
Der Färber
Das Färberhandwerk hat eine uralte Tradition und wurde schon in grauer Vorzeit im Orient angewandt. Durch die Kreuzzüge kam diese Technik auch nach Deutschland und von Karl dem Großem wurde angeordnet, Krapp anzupflanzen, um Stoffe einzufärben. Auch dieses Handwerk entwickelte sich schnell weiter und in der ganzen Welt wurden neue Färbetechniken erfunden. Das Beizen der Farbstoffe wurde durch Pottasche, Essig, Kalk, Zinnoxyd und Alaun vorgenommen. Die Färber mussten lange ausprobieren, bis sie wussten, wie die unterschiedlichen Farbstoffe auf Leinen und Seide sowie Wolle und Baumwolle reagierten. Es entstanden spezielle Arten des Färbens, wie zum Beispiel die Schwarzfärber, die zunächst nur Leinwände färbten, später ihre Techniken verfeinerten und anfingen, die Stoffe zu bleichen und zu walken, bis sie weiß wurden. Es gab damals große Bleichanlagen,die für diese Zwecke eigens errichtet wurden. Auch die Seidenfärberei war ein besonderer Zweig dieses Handwerks, und die Färber hatten ihr eigenes Gewerbe. In Basel waren sie mit ihren Färberkessels am stärksten vertreten. Sogenannte Färberhäuser entstanden, wo die Stoffbahnen zum Trocknen aufgehängt wurden. Augsburg gehörte mit seinen fast 40 Färberhäusern zu den Zentren dieser Textilproduktionen. Die einzelnen Färbeverfahren wurden immer weiter verfeinert und durch Einführung von Maschinen konnte man schließlich die einzelnen Farben zerreiben und separieren. Der Färber in der Historie trug entscheidend dazu bei, dass das Leben der Menschen im besten Sinne des Wortes farbenfroher wurde.
Der Glasbläser
Die Anfänge der Glasherstellung liegen, wie viele andere Kunsthandwerke, im vorderen Orient. In Ägypten wurde ebenso Glas hergestellt wie im römischen Raum. Aber auch die Kelten verstanden viel von diesem Handwerk. Schon sehr früh, um 950 herum, beschrieb ein Deutscher die Kunst der Glasherstellung. Diese Kunst gehört wohl zu den bedeutendsten Erfindungen, die die Menschen machten. In den frühmittelalterlichen Klöstern wurden vor allem Kirchenfenster und Gläser für den eigenen Bedarf hergestellt. Auf der Insel Murano bei Venedig wurden die ersten Glasfabriken eingerichtet. Dort war die Kunst, feinste Glaswaren herzustellen, lange ein streng gehütetes Privileg der dort arbeitenden Handwerker. Die Technik des Glasblasens mittels einer Pfeife blieb lange Zeit die alleinige Art der Herstellung. In sogenannten Glashütten arbeiteten freie Glasbläser am Schmelzofen und schufen viele Gegenstände für den alltäglichen Gebrauch. Später kamen die Glasschleifereien hinzu, die das Glas durch Verzierungen mit Gold zu wertvollen Kunstwerken machten. Eine weitere Verfeinerung der Glaskunst war die Glasmalerei, die zunächst in den Kirchenfenstern der Klöster zu sehen war. Später traten die Stadtglaser auf, die nun auch öffentliche Gebäude mit Fenstern schmückten, denn noch war die normale Fensterscheibe nicht bei den einfachen Bürgern zu finden. Erst in der Neuzeit etwa im 19. Jahrhundert, was das Glas ein preiswerter und stabiler Baustoff. Nach der Weltausstellung von Chicago im Jahre 1893 trat dieses Handwerk erst richtig in den Vordergrund und die Glasherstellung war nun ein hoch angesehener und leistungsstarker Beruf geworden. Die Butzenfenster, ein besonders schwieriges Kunstwerk, werden auch heute noch bewundert.
Der Seifensieder
Die Technik des Seifensiedens wurde bereits vor der Antike entwickelt. Die Seifensieder produzierten aus Rindertalg, Pottasche und Natronsalz zunächst einfache Schmier- und Kernseife. In den Städten ließen sich mehrere Seifensieder zusammen nieder und verkauften ihre Seifen auch an gewerbliche Betriebe, die diese zum Bleichen ihrer Stoffe benötigten. Zur Körperpflege wurde es erst ganz allmählich selbstverständlich, dazu Seife zu verwenden. Auch Kerzenmacher und Lichterzieher gehörten zu ihnen, weil sie das gleiche Material auch für die Herstellung von Kerzen verwendeten. Diese wurden meist in Kirchen und Klöstern hergestellt. Die Zünfte der Seifensieder bildeten sich erst Ende des 17. Jahrhunderts und wurden bald danach schon durch die früh einsetzende Industrialisierung schon wieder verdrängt. Viele handwerkliche Kleinbetriebe mussten sich zusammenschließen, um zu überleben. Für die Kerzenzieher kam das Aus ihres Zweiges noch früher durch die Entdeckung von Gas, Petroleum und schließlich Elektrizität. Die Herstellung von Seife wurde bald schon von Großbetrieben produziert, wo auch die Chemie Einzug hielt. So verschwanden nach und nach die Seifensieder und Kerzenmacher aus dem Stadtbild und hinterließen nur noch vereinzelt Spuren ihres Könnens.
Der Seiler
Das Arbeitsmaterial des Seilers war von je her Hanf und Flachs, der auf einem so genannten Schwingbock behandelt und anschließend durch Hecheln gezogen wurde. Man erhielt so verschiedene Seillängen- und Stärken. Benötigt wurden diese Seile überwiegend in der Landwirtschaft und in der Fischerei. Für die Schifffahrt mussten schwere Seile hergestellt werden. Das wurde von den Reepschlägern oder Kabeldrehern bewerkstelligt. Der Seiler fertigte meist dünnes Seilwerk an, das zu Stricken und dergleichen verarbeitet wurde. Nachdem der Hanf durch Hecheln gezogen war, musste er versponnen werden. Dabei kam das Seilerrad zum Einsatz, das von einer zweiten Person gedreht werden musste. Als Handwerksgerät für kurze und grobe Fäden benutzte der Seiler einen so genannten Läufer, den es auch allein bedienen konnte. Da der deutsche und italienische Hanf sehr teuer war, wurde viel Ware aus Russland importiert, um der Nachfrage im eigenen Land gerecht zu werden. Das Seilerhandwerk verstand sich lange als bäuerliches Gewerbe. Zünfte entstanden relativ erst spät, meist schloss sich der Seiler mit anderen Handwerkern zusammen. Nur in den großen Städten wie Köln, München, Hamburg und Frankfurt schlossen sie sich zu Innungen zusammen. Die Waren der Seiler wurden überwiegend im eigenen Land verkauft, wobei die Erzeugnisse auf Wochenmärkten oder in Läden angeboten wurden. Die Reepschläger dagegen exportierten ihre dicken Seile auch in andere Länder wie England, Schweden und Holland. Auch arbeiteten sie oft für die Reeder, die ihre Waren für ihre Schiffe brauchten. In der Neuzeit wurde dann das alte Seilerrad durch die Spinnmaschine ersetzt. Allmählich übernahmen Maschinen die Produktion von Bindfäden und Hanfseilen. Auch durch die Entdeckung der Kunstfaser starb das Seilerhandwerk allmählich aus.
Der Töpfer
Das Handwerk des Töpferns gehört zu den ältesten in der Menschheitsgeschichte. Schon in der Urzeit fertigten die Menschen aus Ton verschiedenste Gefäße für den Hausgebrauch an. Bevor der Ton geformt, getrocknet und gebrannt werden konnte, musste er erst gereinigt und aufbereitet werden. Alle groben Bestandteile wie Steine wurden entfernt. Auch wurden noch andere Stoffe beigefügt wie zum Beispiel Quarz und Kalk, damit der Ton nicht bis er trocknete, deformiert wurde. Der Töpfer unterschied zwischen der porösen und der dichten Tonware. Je nach Beschaffenheit des Tons wurden Irdenware, Steingut und Porzellan angefertigt. Das wichtigste Werkzeug für die Anfertigung aller Töpferwaren war die Töpferscheibe, die sich im Laufe der Zeit immer wieder mal veränderte. War es anfangs noch die Blockscheibe, so kam die Spindelscheibe und Kreuzscheibe dazu. Noch später wurde die Scheibe gar per Elektromotor angetrieben, was jedoch nicht unbedingt eine große Erleichterung war. Das Färben und Glasieren wurde von so genannten Färberinnen besorgt. Eine Besonderheit war das Anfertigen von Tonpfeifen, die in Brennkapseln gebrannt wurden. Aus Holland kam diese Kunst der Pfeifenbäckerei und die damaligen Handwerker exportierten sogar ihre Pfeifen bis nach Amerika. Ein weiterer Zweig des Töpferns war das Handwerk der Kachelbäcker. Die Kachel wurde in vielen Variationen zum Bau des Kachelofens verwandt, und so manches Kunstwerk der damaligen Zeit können wir dank der langen Haltbarkeit dieser Öfen noch heute bewundern. Immer wieder wurde die Technik von Keramiken, Öfen und Glasuren verbessert und weiterentwickelt. Aber auch hier hielt die moderne Zeit ihren Einzug und Fabriken übernahmen nach und nach die Herstellung der Töpferware.
Der Drahtzieher
Dem Beruf des Drahtziehers ging das Drahtschmieden voraus. Das Metall wurde dabei gespalten und unter dem Hammer auf einen Durchmesser ausgereckt. Metalldrähte waren seit dem Mittelalter ein wichtiges Material für alle Metall verarbeitenden Betriebe. Eisen, Stahl- und Messingdrähte wurden zu vielen Produkten verarbeitet und hatten dementsprechend einen hohen Verkaufswert in ganz Europa. Auch Gold- und Silberdrähte sowie Kupfer und Messing waren die Grundsstoffe für allerlei Schmuck und Luxusgüter. Auch die Dinge des alltäglichen Gebrauchs wurden daraus angefertigt wie zum Beispiel Drahtkörbe und –netze, Ketten und Fliegendraht sowie allerlei Nägel und Nadeln. Einzelne Städte spezialisierten sich mit ihren Drahtziehern zum Beispiel auf Eisen- und Stahldraht wie einige Städte im Sauerland. Die Reichsstadt Nürnberg galt als Mittelpunkt für die Herstellung von Metalldrähten. Bei den Drahtziehern gab es keine einheitliche Organisation, sondern viele Handwerker arbeiteten nur mit bestimmten Metallen und Stärken des zu ziehenden Drahtes. Jeder hatte entsprechende Werkzeuge, um das gewünschte Produkt herzustellen. Die feineren Drähte wurden mittels eines Drahtzuges gefertigt, was zunächst mit Muskelkraft geschah. Später entwickelte man die so genannte Drahtmühle, die mit Hilfe von Wasserkraft funktionierte. So konnten die Drahtzieher viel eher den ständig wachsenden Bedarf von diesen Drähten gerecht werden. Die Technik des Drahtziehens blieb im Grunde immer gleich. Schon im 12. Jahrhundert wurde dieses Handwerk urkundlich erwähnt. Da das Betreiben von Drahtmühlen relativ teuer war, waren die Handwerker oft von entsprechend wohlhabenden Kaufleuten abhängig, die ihre Arbeitskraft reichlich ausnutzten. Im 19. Jahrhundert begann dann die Produktion von Draht mittels Walzen, das nach und nach das Drahtschmieden und den Grobdrahtzug ersetzte.